Autor
Max Novotny
Global Sales Specialist – Clinical Laboratory Automation, ABB Robotics
In vielen medizinischen Laboren ist die Situation ähnlich: Der tägliche Probendurchsatz muss bewältigt werden, während die Anforderungen wachsen und qualifiziertes Personal fehlt. Routineaufgaben wie Scannen, Sortieren oder Zentrifugieren binden wertvolle Zeit, die MTLs für die eigentliche Diagnostik und andere höherwertige Aufgaben benötigen. Genau hier setzt das modulare, robotergestützte LabTable-System an, das entwickelt wurde, um Laborteams gezielt zu entlasten.
Vom Anlagenbau zur Laborrobotik
Was heute als maßgeschneiderte Lösung den Laboralltag erleichtert, begann mit einem Perspektivenwechsel: Ein Team bei ABB Robotics mit ausgewiesener Erfahrung in der Automatisierung großer Anlagen wagte den Schritt in die Welt der Laborautomatisierung. Die Entwicklungsexperten von ABB Robotics übertrugen ihr über 50-jähriges Know-how aus Branchen wie der Automobilindustrie in die Automatisierung von Laborprozessen.
Erste Versuche in einem Health Care Hub am Texas Medical Center (TMC) in den USA zeigten, dass automatisierte Zentrifugationslösungen bereits äußerst hilfreich sind. Doch schnell war ebenfalls klar: Nur eine durchgängige Lösung kann eine signifikante Entlastung für das Personal schaffen und die Produktivität steigern. Am deutschen Standort von ABB Robotics im hessischen Friedberg entstand daraufhin ein System, das deutlich mehr kann: Es übernimmt die komplette präanalytische Bearbeitung und sorgt dafür, dass Proben nicht nur vorbereitet, sondern auch direkt an Analysegeräte übergeben und archiviert werden.
Alltagstauglich und flexibel
Die Integration in bestehende Laborstrukturen war von Anfang an ein zentrales Ziel. Die Lösungen sind kompakt gebaut, passen durch jede Tür und benötigen keine baulichen Veränderungen. Nach wenigen Tagen ist das System einsatzbereit – inklusive LIS-Anbindung und elektrischer Installation. Danach übernehmen die Roboter die Routine: Proben werden gescannt, geöffnet, zentrifugiert, sortiert und archiviert. Auch unterschiedliche Röhrchentypen, inklusive Kinderproben, werden zuverlässig verarbeitet.
Besonders wichtig: Das System ist offen gestaltet. Sensoren sorgen dafür, dass die Roboter bei Betreten des Arbeitsbereichs ihre Geschwindigkeit drosseln oder komplett stoppen. So bleibt jederzeit Raum für manuelle Eingriffe – etwa beim Fahren von Sonderproben, Wartungsarbeiten oder täglichen Überprüfungen.
Ein Kollege, der nie müde wird
Doch wie kommen die Roboter bei den Laborfachkräften an? Die Reaktionen bisher sind durchweg positiv: Nach kurzer Eingewöhnung werden die modularen Systeme als echte Unterstützung wahrgenommen. Die Mitarbeitenden berichten von spürbarer Entlastung und mehr Zeit für komplexe Aufgaben. Die tägliche Kontrolle der Anlage dauert kaum mehr als eine halbe Stunde – der Rest läuft vollautomatisch. Die Roboter übernehmen prinzipiell die Aufgaben der MTLs – nur eben rund um die Uhr und ohne Pause. Nach kurzer Eingewöhnung werden sie bei den Mitarbeitenden als zusätzliche Kollegen und echte Unterstützung wahrgenommen.
Service und Anpassung – mit Sicherheit
Die eingesetzten Komponenten sind auf Dauerbetrieb ausgelegt. Da die Roboter im Labor mit geringen Lasten und reduzierter Geschwindigkeit arbeiten, sind sie besonders langlebig. Damit der Betrieb reibungslos läuft, ist ein umfassender Servicevertrag Bestandteil jedes Projekts. Ein deutschlandweites Servicenetz von ABB Robotics sorgt dafür, dass bei Problemen innerhalb von 12 bis 24 Stunden Hilfe vor Ort ist. Zusätzlich ermöglichen so genannte Connected Services eine Fernwartung, Warnmeldungen und eine strukturierte Ticketverwaltung. Auch Anpassungen an neue Röhrchentypen oder Analysegeräte sind möglich.
Automatisierung mit Augenmaß
Die Laborautomation steht erst am Anfang ihrer Möglichkeiten. Künftig werden derartige Lösungen noch modularer aufgebaut sein und sich flexibel an unterschiedliche Laborgrößen und Anforderungen anpassen lassen. Insbesondere wird die Integration von künstlicher Intelligenz zur Prozessoptimierung, Datenanalyse und Qualitätskontrolle weiter zunehmen. Denn Systeme, die nicht nur automatisieren, sondern auch aktiv zur Entscheidungsfindung beitragen, könnten künftig eine wichtige Schnittstelle zwischen Technik und Medizin bilden. Diese Systeme sind ein erster Schritt in diese Richtung – und zeigen, wie praxisnahe Robotik bereits heute einen echten Mehrwert schafft. ABB Robotics investiert kontinuierlich in Forschung und Entwicklung und arbeitet mit führenden Unternehmen wie Roche, METTLER TOLEDO und dem KI-Spezialisten XtalPi zusammen, um neue Lösungen für die Laborautomation zu entwickeln.
Dabei bleibt ein Grundsatz zentral: Technologie muss den Menschen unterstützen – nicht ersetzen. Denn gerade in der Labordiagnostik sind Erfahrung, Intuition und fachliche Einschätzung nach wie vor von unschätzbarem Wert.
Weitere Informationen zu den ABB-Lösungen für die Laborautomation sind hier verfügbar.
Kollaborative Roboter im Labor entlasten Mitarbeitende im Schichtbetrieb, steigern den Durchsatz und sichern eine durchgängig hohe Qualität bei hoher Geschwindigkeit. (Bild: ABB Robotics)
Die MVZ Medizinische Labore Dessau Kassel GmbH und ABB haben mit dem Lab Table II eine kostengünstige und kompakte Lösung für die automatisierte Prozessierung der Blutproben im klinischen Labor erarbeitet. Das System erreicht einen Durchsatz von maximal 160 Proben pro Stunde. (Bild: ABB Robotics)
Automatisierungslösungen für Labore lassen sich offen gestalten. Sensoren sorgen dafür, dass die Roboter bei Betreten des Arbeitsbereichs ihre Geschwindigkeit drosseln. Wichtig für manuelle Eingriffe – etwa beim Fahren von Sonderproben, Wartungsarbeiten oder täglichen Überprüfungen. (Bild: ABB Robotics)