Autor
Prof. Dr. Karl Heinz Weiss
Ärztlicher Direktor, Krankenhaus Salem Heidelberg
Medizinische Fakultät Heidelberg
In Deutschland sind schätzungsweise rund 20 Millionen Menschen von einer Fettlebererkrankung betroffen.1 Die heute im Fachjargon als Metabolic Dysfunction-associated Steatotic Liver Disease (MASLD) bezeichnete Erkrankung (siehe Kasten) ist Ausdruck einer systemischen Stoffwechselstörung und entwickelt sich meist über Jahre bis Jahrzehnte. Klinisch bleibt sie lange asymptomatisch.
Neue Nomenklatur der Fettlebererkrankungen
Im Jahr 2023 wurde im Rahmen eines internationalen Konsensusprozesses unter Beteiligung mehrerer Fachgesellschaften, darunter die European Association for the Study of the Liver, eine neue Terminologie eingeführt. Der Begriff „Steatotic Liver Disease“ (SLD) dient seither als Oberbegriff für alle Fettlebererkrankungen unabhängig von ihrer Ätiologie.2
Die bisherige Bezeichnung nonalcoholic fatty liver disease (NAFLD) wurde ersetzt durch Metabolic dysfunction-associated Steatotic Liver Disease (MASLD). Voraussetzung für die Diagnose ist das Vorliegen einer hepatischen Steatose in Kombination mit mindestens einem der folgenden kardiometabolischen Risikofaktoren:
- (Prä-)Diabetes
- Übergewicht/Adipositas
- arterielle Hypertonie
- Hypertriglyzeridämie
- niedriges HDL-Cholesterin
Krankheitsprogression und klinische Relevanz
Die MASLD kann sich durch persistierende Entzündung (MASH) und damit verbunden den fortschreitenden Umbau des verfetteten Lebergewebes zu einer Leberfibrose entwickeln, die in eine Leberzirrhose übergeht und schließlich das Risiko für hepatozelluläre Karzinome erhöht.
Von zentraler prognostischer Bedeutung für die Krankheitsprogression ist der Schweregrad der Fibrose. Mehrere Studien zeigen, dass dieser Fibrosegrad der wichtigste unabhängige Prädiktor für leberassoziierte und Gesamtmortalität ist.3
Diagnostik: Fokus auf Fibrose
Die Diagnostik der MASLD umfasst gemäß der European Association for the Study of the Liver (EASL)-Leitlinie neben dem Vorliegen kardiometabolischer Risikofaktoren den Nachweis einer hepatischen Steatose mittels bildgebender Verfahren.4 Obwohl erhöhte Transaminasen mit einer erhöhten Mortalität assoziiert sind5, spielen Leberwerte in der Diagnostik keine tragende Rolle, da sie nicht ausreichend sensitiv und spezifisch sind.4
Bei Verdacht auf eine MASLD steht die Risikostratifizierung im Vordergrund, insbesondere die Frage nach einer fortgeschrittenen Fibrose.
Als nichtinvasives Verfahren zur Bestimmung der Lebersteifigkeit hat die Elastographie hier eine zentrale Bedeutung. Sie stellt ein etabliertes Verfahren dar, ist jedoch vergleichsweise aufwändig und kostenintensiv. Daher kommt einfachen Scores in der Primärversorgung bzw. nicht-hepatologischen Sekundärversorgung eine wichtige Rolle zu.
2023 wurde der FIB-4-Score in die Leitlinien aufgenommen, um Patient:innen mit niedrigem, intermediärem und hohem Risiko für eine fortgeschrittene Fibrose zu identifizieren (siehe Kasten6). Der Score basiert auf wenigen, routinemäßig erhobenen Parametern und ermöglicht eine einfache, kostengünstige Erstbewertung in der hausärztlichen Versorgung. Je nach Ergebnis kann die weitere Versorgung gesteuert werden: Patient:innen mit niedrigem Risiko verbleiben in der Primärversorgung, während Personen mit erhöhtem Risiko gezielt an Fachärzt:innen oder spezialisierte Leberzentren überwiesen werden sollten.
Therapie der MASLD
Die effektivste Therapie der MASLD ist eine nachhaltige Lebensstiländerung mit Gewichtsreduktion. Eine prospektive Studie zeigte, dass eine Gewichtsreduktion von ≥ 10 % mit einer signifikanten histologischen Verbesserung bis hin zur Regression der Steatohepatitis und Fibrose assoziiert ist.8
Medikamentöse Therapie
Mit Resmetirom steht seit Kurzem erstmals eine spezifische medikamentöse Therapie für die MASH zur Verfügung. Resmetirom ist ein selektiver Agonist des Schilddrüsenhormonrezeptors β (THR- β), der den hepatischen Lipidstoffwechsel moduliert und zu einer Reduktion der intrahepatischen Fettakkumulation führt.9
Weitere Therapieansätze befinden sich in klinischer Entwicklung, darunter GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid.10 Diese Substanzen zeigen in Studien günstige Effekte auf Gewicht, metabolische Parameter und teilweise auch auf die Leberhistologie.
Referenzen
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Roeb E et al. Aktualisierte S2k-Leitlinie nicht-alkoholische Fettlebererkrankung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Online verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/021-025l_S2k_-NAFLD-Nicht-alkoholische-Fettlebererkrankungen_2022-10_01.pdf Abgerufen am 06. 04.2026
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Vilar-Gomez E, Martinez-Perez Y, Calzadilla-Bertot L et al. Weight loss through lifestyle modification significantly reduces features of NASH. Gastroenterology. 2015;149:367–378.e5. doi:10.1053/j.gastro.2015.04.005
European Medicines Agency EMA. Rezdiffra (Resmetirom). Übersicht über Rezdiffra und warum es in der EU zugelassen ist.
Newsome P, Ambery P. Incretins (GLP-1 receptor agonists and dual/triple agonists) and the liver. J Hepatol. 2023;79:1557–1565
Erweiterte Risikostratifizierung: PRO-C3 und ADAPT-Score
Autor: Dr. Jan Gronych, Medical Director Oncology, Roche Diagnostics Deutschland GmbH
Der FIB-4-Score birgt eine klinisch relevante Grauzone, in der sich Patient:innen nicht eindeutig einem niedrigen oder hohen Fibroserisiko zuordnen lassen. In diesen Fällen können zusätzliche Biomarker die weitere Differenzierung erleichtern. Ein vielversprechender Ansatz ist der Marker PRO-C3 (Pro-Collagen Typ III), der die aktive Fibrogenese und damit die Narbenbildung in der Leber widerspiegelt.1
PRO-C3 wird im sogenannten ADAPT-Score den klinischen Parametern Alter, Diabetesstatus und Thrombozytenzahl zusammengeführt. Dieser multimodale Score ermöglicht eine verbesserte Beurteilung des Fibrosestadiums bei Patient:innen mit MASLD. Der ADAPT-Score erlaubt damit eine niedrigschwellige und differenziertere Abschätzung, ob eine mäßige Fibrose (≤ F2), eine fortgeschrittene Fibrose (F3) oder bereits eine Leberzirrhose vorliegt. Damit stellt er eine sinnvolle Ergänzung im diagnostischen Algorithmus dar, insbesondere bei unklaren FIB-4-Ergebnissen.1
Der Einsatz von PRO-C3-basierten Verfahren wie Elecsys® PRO-C3 kann somit den bestehenden Patientenpfad ergänzen und die gezielte Identifikation von Patient:innen mit behandlungsrelevanter Fibrose verbessern (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Vorgeschlagener Patienten-Flow - aktueller und künftiger Versorgungsprozess 2,3,4
Referenzen
Literatur: Daniels SJ, Leeming DJ, Eslam M et al. ADAPT: An algorithm incorporating PRO-C3 accurately identifies patients with NAFLD and advanced fibrosis. Hepatology. 2019;69:1075–1086. doi:10.1002/hep.30163
Tacke F et al. EASL-EASD-EASO; Clinical Practice Guidelines on the management of metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (MASLD). J Hepatol. 2024;30:492-542
European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines on non-invasive tests for evaluation of liver disease severity and prognosis - 2021 update. J Hepatol. 2021 Sep;75(3):659-689. doi: 10.1016/j.jhep.2021.05.025. Epub 2021 Jun 21. PMID: 34166721.
Roche; MethodSheet Elecsys PRO-C3 2025-01, V 1.0 English, 2025
Dr. Jan Gronych, Medical Director Oncology, Roche Diagnostics Deutschland GmbH