Autorin
Elke Matuschek
Kompass Gesundheitskommunikation
Beim Nachweis respiratorischer und gastrointestinaler Keime spart Multiplex-PCR Zeit und Ressourcen. Zum vollautomatischen Erregernachweis stehen einige RUO-Multiplex-Assays zur Verfügung, die von Christiane Prifert von KH Labor in der Routinediagnostik als Inhouse-IVD-Tests verwendet werden. Wie das funktioniert und was dabei zu beachten ist, lesen Sie hier.
Labormedizinische Einrichtungen jonglieren nicht nur mit personellen und zeitlichen Kapazitäten, sondern sind auch bestrebt, ihre Prozesse mit Blick auf die Umwelt nachhaltiger zu gestalten. Das kann zu massiven Engpässen führen, besonders dann, wenn Infektwellen zu einem erhöhten Testaufkommen führen.
Heute steht eine Vielzahl an Nachweissystemen für infektiöse Erreger zur Verfügung – darunter Hochdurchsatz- und Point-of-Care-Nukleinsäure-Amplifikationstests (Polymerasekettenreaktion; PCR) sowie Antigentests. Multiplex-PCR – also das simultane Amplifizieren mehrerer Targets – kann Laborprozesse in diesem Zusammenhang deutlich effizienter gestalten: Sie spart Zeit und verkürzt die manuelle Arbeitszeit (Hands-on-Time), da mehrere Erregernachweise parallel geführt werden können und die aufwändige Stufendiagnostik entfällt. Gleichzeitig fördert das Verfahren die ökologische Nachhaltigkeit, da es im Vergleich zu Einzeltests Ressourcen spart und deutlich weniger Abfall verursacht. In der klinischen Praxis sind häufig nicht in jeder Situation unmittelbar geeignete, klinisch validierte Multiplex-Testsysteme verfügbar, sodass Labore mitunter auf sogenannte Research-Use-Only-(RUO)-Assays zurückgreifen und durch eigene Validierung für die Routinediagnostik als Inhouse-IVD-Tests nutzbar machen.
Fachvirologin Christiane Prifert, Technische Leiterin der Molekularen Diagnostik und Mikrobiologie von KH Labor der Ameos Gruppe in Bernburg, validierte syndromische PCR-RUO-Tests, um sie vollautomatisiert in der Routinediagnostik als Inhouse-IVD-Tests einzusetzen. Im folgenden Anwenderbericht spricht sie von ihren Erfahrungen bei der Umsetzung und erklärt, was bei der Dokumentation zu beachten ist.*
Die Validierung von syndromischen UC-TIB-Assays von TIB Molbiol als Inhouse-IVD-Tests für die Routinediagnostik
Von Christiane Prifert, Technische Leiterin der Molekularen Diagnostik und Mikrobiologie von KH Labor der Ameos Gruppe in Bernburg
Unserem Routinelabor war es wichtig, sowohl respiratorische bakterielle Erreger als auch virale und bakterielle Gastroenteritis-Erreger vollautomatisch testen zu können. Hierfür stehen eine Reihe von Multiplex-Assays von Roche bzw . TIB Molbiol zur Verfügung: UC-TIB-Respi-BAC-1/-2 sowie UC-TIB-Gastro-Virus, -BAC und -EHEC/Cdiff. Diese Testsysteme sind ausschließlich als Research-Use-Only-(RUO)-Tests deklariert. Um sie dennoch auf dem cobas® 5800 System in der Routinediagnostik nutzen zu können, haben wir die RUO-Assays im Rahmen einer Inhouse-Validierung als In-vitro-Diagnostik- (IVD-) Tests etabliert.
Zunächst haben wir für jeden Assay alle relevanten Daten und Mindestanforderungen an die Validierung der Tests in einem Validierungsdatenblatt zusammengefasst. Dieses dient als Standardtemplate für alle Inhouse-IVD-Tests und wird nach erfolgreicher Validierung im Qualitätsmanagementsystem (QMS) abgelegt. Eine einheitliche Dokumentation hilft sehr bei der systematischen Durchführung der Validierung und stellt von Anfang an eine gute Dokumentation im QMS sicher.
Als Vorlage für den gesamten Validierungsplan diente die Publikation von Rabenau et al. 20221. Nachdem wir die Erwartungen festgelegt und die Planung für die Validierung aller Assays abgeschlossen hatten, ging es an die eigentliche Validierung. Dafür wurden Validierungskits der Firma GBD (Gesellschaft für biotechnologische Diagnostik mbH) eingesetzt. Wir haben ein Verdünnungsschema angewandt, um die Proben der Kits optimal auszunutzen. Die Spezifitäten und Sensitivitäten, die bereits von TIB Molbiol ermittelt wurden (siehe TechSheets2) haben wir zunächst in unserem Labor überprüft; als Validierungsproben wurden sowohl GBD-Proben als auch Ringversuchsproben verwendet. Im Rahmen der Sensitivitätsmessung konnten wir zeigen, dass die Assays alle Proben sowohl im positiven als auch schwach positiven Bereich erfolgreich detektierten und auch Ct-Werte zwischen 30–35 problemlos erkannt wurden. Innerhalb der Spezifitätstestung wurde keine falsch positive Probe detektiert. Die Linearität der Assays war für alle getesteten Erreger hoch. Das Bestimmtheitsmaß (R²) lag in allen Fällen ≥ 0,95, was eine sehr gute Linearität der Assays zeigte. Auch beim Vergleich der UC-TIB-Assays mit einem anderen Anbieter von Multiplex-PCRs im respiratorischen und gastrointestinalen Bereich waren alle Anforderungen erfüllt, sodass die Validierungen für alle Tests freigegeben werden konnten.
Darüber hinaus war es notwendig, eine Risikobewertung (einmalig für ähnliche diagnostische Tests) durchzuführen. Aus der Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser Risiken, der Bedeutung des Fehlers und der Entdeckbarkeit errechneten wir die Risikoprioritätszahl und konnten diese anhand einer Akzeptanzmatrix als “akzeptabel” einstufen, sodass die Tests für die Routinediagnostik freigegeben werden konnten.
Unser Fazit
Die Roche UC-TIB-Assays sind eine sehr gute Alternative zu den Multiplex-PCR-Tests anderer Hersteller, wenn man auf Random-Access und eine geringe Hands-on-time angewiesen ist. Da aktuell diese Assays noch nicht IVDR-zertifiziert sind, bedürfen sie allerdings einer Validierung, die sorgfältig geplant werden und in einem Validierungsdatenblatt dokumentiert werden muss. Das von uns verwendete Valdierungsblatt und auch die von uns durchgeführte Risikobewertung stellen wir im Rahmen dieser Veröffentlichung allen Laboren zur Verfügung (siehe Downloads).
Durch die GBD-Verification-Sets inklusive Verdünnungsschema und den TechSheets von TIB Molbiol, sowie der guten Darstellung in der Publikation von Rabenau et. al. 2022 wird die Validierung sehr erleichtert und ist nicht viel aufwändiger als eine gewöhnliche Verifizierung eines IVD-Tests, die ohnehin durchgeführt werden müsste. Nachdem wir mittlerweile zwei Wintersaisons und einen Sommer mit den UC-TIB-Assays arbeiten, kann konstatiert werden, dass sich der Aufwand auf jeden Fall lohnt und man nicht vor den Herausforderungen der LDT-Validierung zurückschrecken sollte.
Downloads
- Risikobewertung Molekulare Diagnostik (allgemein) (xls-Datei)
- Validierungsdatenblatt_RespiBAC1 (xls-Datei)
Referenzen
- https://www.egms.de/static/de/journals/lab/2022-13/lab000044.shtml
- https://elabdoc-prod.roche.com/eLD/web/de/de/documents?searchTerm=techsheet&searchType=Metadata&sourceSearchType=Metadata&orderBy=ArrivalDate
*Bei diesem Artikel handelt es sich um einen persönlichen Erfahrungsbericht, der die Meinung und Erfahrung der Anwender:innen der Ameos Gruppe in Bernburg darstellt. Bitte beachten Sie, dass die in diesem Artikel erwähnten Assays ausschließlich für Forschungszwecke bestimmt sind (Research User Only / RUO).
Christiane Prifert
Technische Leitung Molekulare Diagnostik und Mikrobiologie,
med. Fachvirologin